Lexikon

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Magier

Das Matthäus-Evangelium nennt Magier, griech. magoi, als erste heidnische Pilger an der Krippe Jesu. So bezeichnete man in dieser Zeit die sternenkundigen Priester der Meder und Perser, die Zoroaster anhingen. Aus ihnen wurden die Heiligen Drei Könige. Das deutsche Wort „Magie“ (seit dem 16. Jh.) ist ein Lehnwort des lat. magia, dieses wiederum vom griech. mageia, das mageuein, „zaubern“, und magos, „Zauberer“, bildet und seinerseits aus dem Persischen entlehnt war. Im Persischen bezeichnet der Begriff einen Priester mit wissenschaftlicher (astronomischer) Ausbildung.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Magierspiele

Seit dem 11. Jahrhundert wurde die Erzählung von den Magiern aus dem Morgenland dramatisiert und gespielt. Ab dem 13. Jahrhundert mündeten die Dreikönigs- oder MAGIERSPIELE in die frühen Weihnachtsspiele. Je volkstümlicher EPIPHANIE zum reinen Dreikönigsfest wurde, desto mehr lösten sich die Dreikönigsspiele von ihrer liturgischen Funktion, gingen in neuere Präsentationsformen wie das Stockpuppenspiel ein und wanderten aus dem Kirchenraum hinaus auf den Marktplatz, vom fanum (lat., Heiligtum) ins profanum (lat., die Umgebung des Heiligtums). Die biblische Grundlage war zu diesem Zeitpunkt längst durch komische Einlagen in den Hintergrund gedrängt worden. Die Dreikönigsspiele dieser Art hielten sich in einzelnen Fällen bis in das 20. Jahrhundert. Das „KASPERLE“ des Kinderpuppenspiels ist ein letztes Relikt des Dreikönigsspiels.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Mailand

Die italienische Stadt Milano, von den Römern Mediolanum genannt, wurde in vorrömischer Zeit gegründet und liegt in der Lombardei. 774 fiel die Stadt an die Franken. Mailands Selbständigkeitsbestreben im 12. Jahrhundert ließ sie zum Haupt der Gegenpartei des römischen Kaisers werden. 1162 zerstörte FRIEDRICH I. BARBAROSSA die Stadt und schenkte 1164 die dort aufgefundenen RELIQUIEN der Heiligen Drei Könige seinem Kanzler, dem Kölner Erzbischof RAINALD VON DASSEL.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Melchior

Jüngster der Heiligen Drei Könige und Vornehmster. Sein Name bedeutet im Persischen „Gottesschutz“. Überwiegend wird er als „Mohr“ bezeichnet. Am 6. Januar wurde nicht nur der Gedenktag der Heiligen Drei Könige, sondern zusätzlich der des Melchior begangen. Als Rufname wird Melchior übernommen, ebenso als Familienname (auch: Melcher, Melchers usw.).

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Mutcheltag

In Reutlingen in Württemberg heißt so der Donnerstag nach DREIKÖNIGE, weil an ihm Mutscheln gebacken und verschenkt werden. Die jungen Männer schenken ihrer Freundin einen verzierten Mutschelstern aus Mürbeteig. Nahm die Freundin das Geschenk an, so bestätigte sie öffentlich das Bestehen einer Beziehung zu diesem jungen Mann. Weil um dieses Gebäck auch gewürfelt, also gemutschelt wird, hat es diesen Namen angenommen.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

Myrrhe

Myrrhe (von lat. murra, myrrha, murrha; entlehnt von griech. myrra; dieses entlehnt vom arab. murra, „Wurzel“, vom Wortstamm marru, „bitter sein“) ist ein bitter schmeckender, wohlriechender Saft, der aus der Rinde einer Art des Balsambaumes (bes. von Commiphora myrrha) sickert. Beim Trocknen kristallisiert er in Form durchsichtiger Körner von weißlicher bis roter Farbe, die beim Verbrennen Duft erzeugen und als Räucherwerk dienen. In der Antike war Myrrhe als kosmetisches Mittel sehr beliebt, aber auch für medizinische Zwecke. Myrrhe war zugleich aber auch ein für die Einbalsamierung der Toten notwendig. Die Myrrhe verweist in ihrer Zeichenhaftigkeit durch ihre Bitterkeit und ihre heilende Wirkung auf körperliche Leiden sowie ihren Effekt bei der Leichenkonservierung auf Leiden und Tod, aber auch auf das nachfolgende Leben.

© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln